Wie es meinen laufbegeisterten Verwandten gelang, mich zu einem Halbmarathon zu überreden, kann ich heute immer noch nicht so genau sagen. Alles begann mit einem Anruf am 01. Januar 2009, bei dem aus dem Hintergrund eine Stimme erklang: "Am 19. April ist Leipzig- Marathon!" Woraufhin ich sofort beschloss, den Halbmarathon mitzulaufen. Zu diesem Zeitpunkt lief ich seit zwei Monaten und war gerade so in der Lage, 90 Minuten am Stück zu laufen. Aber Zweifel hatte ich keine... Also ging es gleich an die Vorbereitung. Ich suchte mir einen Trainingsplan und begann, mehr oder weniger eisern zu laufen. Dazu muss man wissen, dass in meiner Wahlheimat Schweiz der Winter mitsamt Schneehöhen um die 50 cm im Ganzen vier Monate dauerte und ich gar nicht mehr wusste, wie eine "normale" Laufstrecke überhaupt aussieht. Naja, trittsicher war ich dann jedenfalls!
Die letzten Wochen vergingen viel zu schnell, vor allem deshalb, weil ich aufgrund beruflicher Belastungen nicht wirklich viel trainieren konnte. Zu allem Übel bekam ich ca. 10 Tage vor dem Start plötzlich stechende Schmerzen im rechten Fuß, die beim Laufen noch schlimmer wurden. Das hieß also Zwangspause und einfach sehen, was passiert. Und so fand ich mich am 18. April am Abend in der Ernst- Grube- Halle wieder, die Anmeldung und Startnummernausgabe verlief dank meiner halbmarathonerfahrenen Tante und den vielen Helfern wie am Schnürchen. Die Pasta war gut und es herrschte eine sehr angenehme Stimmung an den Tischen, sodass sogar mein Freund, der solche Menschenansammlungen eigentlich gar nicht gern hat, begeistert war.
Und dann war der Sonntag endlich da und empfing uns mit wolkenlosem Himmel. Es versprach also warm zu werden, das war mir gar
nicht so recht. Die Zeit bis zum Start vertrieben wir uns an der Strecke und viel zu schnell wurde es ernst. Mein Magen grummelte,
mir war es ganz schlecht vor Aufregung. Natürlich stellten wir uns viel zu weit vorne am Start auf. Als nach dem Startschuss
alle an mir vorbei rannten, musste ich mich erst mal neu sortieren. Als notorischer Alleinläufer war das eine ganz neue Erfahrung
für mich. Die ersten Kilometer ging es gut, die Bands entlang der Strecke waren super (vor allem die am Augustusplatz),
auf der Prager Strasse hatte ich einen kleinen Höhenflug und überholte sogar einmal kurz meine Tante, aber dann kam .... der
Einbruch. Auf der Richard- Lehmann- Strasse kam dieser verflixte Wendepunkt und der wirkte auf mich völlig demotivierend.
Ab dem 12. Kilometer hatte ich das Gefühl, ich breche gleich zusammen. Natürlich war ich die ganze Zeit viel zu schnell
unterwegs gewesen, das rächte sich jetzt bitter. Kurz überlegte ich sogar aufzugeben, aber mir fiel keine passende Ausrede
ein und wegen "nicht mehr können"- nee das war mir jetzt wirklich zu peinlich. Und so beschloss ich, an jeder Wasserstation
ein Stück zu gehen, den Rest aber zu laufen. Das funktionierte, auch wenn ich arg die Zähne zusammenbeißen musste.
Der Schleussiger Weg wurde zur Unendlichkeit, der einzige Lichtblick war mein Cousin, der da irgendwo rumstand. Dann ab km 18 dachte
ich nicht mehr ans Aufgeben, jetzt wollte ich es schaffen, auch wenn die Gehstrecken länger und länger wurden.
An der letzten Versorgungsstation noch mal Wasser und Banane getankt, ging es auf den letzten Kilometer. Und der war hart.
Denn dort wollte und konnte ich nicht mehr gehen, weil ins Ziel wollte ich schon laufend kommen. Irgendwann war ich auf der
Zielgeraden, aber von dort weiß ich ehrlich gesagt nicht mehr viel. Irgendwer drückte mir die Medaille in die Hand und
ich war mega- happy, vor allem über die Zeit von 2:17 h! Das ist nun schon wieder ein paar Wochen her, aber nächstes
Jahr komm ich wieder und dann krieg ich meine Tante!

Tantchen und Mandy