Bericht zum London-Marathon 2006

Ein Bericht zum London-Marathon von Thomas Störel, der mit seinem Freund Wolfram Dütthorn die Sachsen bei den Briten vertrat:


Es ist gar nicht so einfach, am London-Marathon teilnehmen zu können. Es gibt nämlich nur drei Möglichkeiten, einen der begehrten Startplätze zu ergattern. Entweder lässt man sich auf eine Verlosung ein (minimale Chance). Oder man ist Ausländer und wendet sich an ein Reisebüro (der Reiseveranstalter "interair" war für uns eine gute und empfehlenswerte Adresse). Oder aber man läuft für eine Vereinigung, die für wohltätige Zwecke Startplätze gegen gutes Geld an Spender weitergibt (Da muss man ein paar hundert Pfund hinlegen - aber eben für einen guten Zweck). Eben jene so genannten "Charity"-Startplätze machen den Hauptanteil aus. Ob nun für Krebsvorsorge, Herz-Forschung oder Obdachlosenhilfe - die Läufer laufen für die Organisationen (oftmals in bunt-bedruckten T-Shirts oder gar in Kostümen wie beim Karneval) und am Rand stehen riesige Fanabteilungen der jeweiligen Wohltätigkeitsvereine. Die machen einen Höllenlärm...
Wie ich auf der Webseite von Uli Sauer gelesen habe (er hat uns nach London begleitet und einen kurzweiligen Vortrag über den dortigen Marathon gehalten), waren mit uns 300 Deutsche am Start.
Wir, mein Freund Wolfram und ich, standen in der Startaufstellung recht weit vorn und rannten kontrolliert zügig los, weil wir uns ausgerechnet hatten, dass wir an der Tower-Bridge der uns entgegenkommenden Läuferelite ansichtig werden könnten, wenn wir pro Meile 8 Minuten brauchen. Und tatsächlich kamen uns, kurz nachdem wir die Halbmarathonmarke hinter uns gelassen hatten, Haile Gebresselassi, Felix Limo und die anderen Stars entgegen. Die waren da schon vier Meilen vor dem Ziel.
Essen gab es während des Rennens nicht, dafür jede Menge Wasser. Zum Glück hatten wir unsere Frauen instruiert, uns an zwei Stationen etwas Verpflegung zu reichen. Der leicht tröpfelnde Regen war nicht weiter störend. Eigentlich ein gutes Marathonwetter. Und überall am Streckenrand der frenetische Jubel! Da fällt das Laufen leicht! Nur hatte ich nach der Hälfte des Laufs ein ausgeprägtes Bedürfnis zu pullern. Dem musste ich schließlich nachgeben. Das hat Zeit gekostet und den Rhythmus gestört. Mein Freund Wolfram ist so sacht weitergelaufen, dass ich ihn nach ein paar Kilometern wieder erreichen konnte. Die letzten 3-4 Meilen waren wie gewohnt hart. Wenn die Kräfte schwinden und man das Tempo nicht mehr halten kann, nicht etwa, weil man außer Puste ist, sondern weil im Körper einfach nicht mehr drinsteckt...
Die letzte Meile vorbei an Big Ben und dann zum Buckingham Palace - Geschafft! In einer für mich guten Laufzeit von 3 Stunden 42 Minuten. So schnell war ich bis jetzt noch nicht. Aber ich fühle, dass da noch Luft ist.
Mein Freund Wolfram ist die ganze Zeit mit mir gemeinsam gelaufen, da er wegen einer Zehenverletzung nicht noch schneller laufen konnte und wollte. Trotzdem machte es sich bemerkbar, dass er sonst eine halbe Stunde schneller läuft: Auf den letzten Kilometern tänzelte er, während ich schon in den Seilen hing, gemütlich neben mir her...
Unsere Frauen haben uns dann glücklich und erleichtert in die Arme genommen (Wieder haben die Herren der Schöpfung den Marathon überlebt!) und sich schon darauf gefreut zu sehen, wie wir die Treppe zur U-Bahn-Station runtereiern. Auf einer Rolltreppe kam uns dann eine dunkelhäutige Engländerin entgegen und fragte, wie schnell wir waren. Dann sagte sie: "Wow, my husband is still running!" und machte sich auf zum Buckingham Palace, um dort auf ihren Mann zu warten.
Vor ein paar Jahren Jahren hat mal einer 5 Tage gebraucht, stand in der "Times". Der hat die Strecke im Taucheranzug mit Schwimmflossen bewältigt. Diesmal war die Hauptattraktion ein Paar, das bis zur Tower-Bridge gelaufen ist und dort geheiratet hat, um dann frisch vermählt die zweite Hälfte der Strecke zu absolvieren. London ist ja immer eine Reise wert! Aber ganz besonders im April, wenn der Marathon ansteht!

Tschüs Thomas


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