Ein Bericht zum London-Marathon von Thomas Störel, der mit seinem Freund Wolfram Dütthorn die Sachsen bei den Briten vertrat:
Es ist gar nicht so einfach, am London-Marathon teilnehmen zu können.
Es gibt nämlich nur drei Möglichkeiten, einen der begehrten Startplätze
zu ergattern. Entweder lässt man sich auf eine Verlosung ein (minimale
Chance). Oder man ist Ausländer und wendet sich an ein Reisebüro (der
Reiseveranstalter "interair" war für uns eine gute und empfehlenswerte
Adresse). Oder aber man läuft für eine Vereinigung, die für wohltätige
Zwecke Startplätze gegen gutes Geld an Spender weitergibt (Da muss man
ein paar hundert Pfund hinlegen - aber eben für einen guten Zweck).
Eben jene so genannten "Charity"-Startplätze machen den Hauptanteil
aus. Ob nun für Krebsvorsorge, Herz-Forschung oder Obdachlosenhilfe -
die Läufer laufen für die Organisationen (oftmals in bunt-bedruckten
T-Shirts oder gar in Kostümen wie beim Karneval) und am Rand stehen
riesige Fanabteilungen der jeweiligen Wohltätigkeitsvereine. Die machen
einen Höllenlärm...
Wie ich auf der Webseite von Uli Sauer gelesen habe (er hat uns nach
London begleitet und einen kurzweiligen Vortrag über den dortigen
Marathon gehalten), waren mit uns 300 Deutsche am Start.
Wir, mein Freund Wolfram und ich, standen in der Startaufstellung recht
weit vorn und rannten kontrolliert zügig los, weil wir uns ausgerechnet
hatten, dass wir an der Tower-Bridge der uns entgegenkommenden
Läuferelite ansichtig werden könnten, wenn wir pro Meile 8 Minuten
brauchen. Und tatsächlich kamen uns, kurz nachdem wir die
Halbmarathonmarke hinter uns gelassen hatten, Haile Gebresselassi,
Felix Limo und die anderen Stars entgegen. Die waren da schon vier
Meilen vor dem Ziel.
Essen gab es während des Rennens nicht, dafür jede Menge Wasser. Zum
Glück hatten wir unsere Frauen instruiert, uns an zwei Stationen etwas
Verpflegung zu reichen. Der leicht tröpfelnde Regen war nicht weiter
störend. Eigentlich ein gutes Marathonwetter. Und überall am
Streckenrand der frenetische Jubel! Da fällt das Laufen leicht! Nur
hatte ich nach der Hälfte des Laufs ein ausgeprägtes Bedürfnis zu
pullern. Dem musste ich schließlich nachgeben. Das hat Zeit gekostet
und den Rhythmus gestört. Mein Freund Wolfram ist so sacht
weitergelaufen, dass ich ihn nach ein paar Kilometern wieder erreichen
konnte. Die letzten 3-4 Meilen waren wie gewohnt hart. Wenn die Kräfte
schwinden und man das Tempo nicht mehr halten kann, nicht etwa, weil
man außer Puste ist, sondern weil im Körper einfach nicht mehr
drinsteckt...
Die letzte Meile vorbei an Big Ben und dann zum Buckingham Palace -
Geschafft! In einer für mich guten Laufzeit von 3 Stunden 42 Minuten.
So schnell war ich bis jetzt noch nicht. Aber ich fühle, dass da noch
Luft ist.
Mein Freund Wolfram ist die ganze Zeit mit mir gemeinsam gelaufen, da
er wegen einer Zehenverletzung nicht noch schneller laufen konnte und
wollte. Trotzdem machte es sich bemerkbar, dass er sonst eine halbe
Stunde schneller läuft: Auf den letzten Kilometern tänzelte er, während
ich schon in den Seilen hing, gemütlich neben mir her...
Unsere Frauen haben uns dann glücklich und erleichtert in die Arme
genommen (Wieder haben die Herren der Schöpfung den Marathon überlebt!)
und sich schon darauf gefreut zu sehen, wie wir die Treppe zur
U-Bahn-Station runtereiern. Auf einer Rolltreppe kam uns dann eine
dunkelhäutige Engländerin entgegen und fragte, wie schnell wir waren.
Dann sagte sie: "Wow, my husband is still running!" und machte sich auf
zum Buckingham Palace, um dort auf ihren Mann zu warten.
Vor ein paar Jahren Jahren hat mal einer 5 Tage gebraucht, stand in der
"Times". Der hat die Strecke im Taucheranzug mit Schwimmflossen
bewältigt. Diesmal war die Hauptattraktion ein Paar, das bis zur
Tower-Bridge gelaufen ist und dort geheiratet hat, um dann frisch
vermählt die zweite Hälfte der Strecke zu absolvieren.
London ist ja immer eine Reise wert! Aber ganz besonders im April, wenn
der Marathon ansteht!
Tschüs Thomas